Einweihung der neuen Pfarrkirche am 17. Juni 1893

 

Am 16. Juni 1893 kam der Hochwürdige Herr Weihbischof Dr. Fischer
über Kelz hier an. An dem Kreuze auf dem Weg nach Vettweiß war ein
Triumphbogen errichtet, unter welchem der Pfarrer Ludwigs die Herren: Seminarpräsens Dr. Ludwigs, Subregens des Priesterseminars Dr. Pingsmann, Pfarrer Jansen von Stockheim, Frank von Frauwüllesheim, den Hochwürdigsten Herren, welcher gegen 18.30 Uhr abends eintraf, empfingen.

Das ganze Dorf war auf der Festlichste geschmückt, Triumphbögen reihten sich aneinander, die Häuser prangten im schönsten Schmucke, keiner wollte zurückbleiben, seit Wochen war an dem Zierrat gearbeitet worden.

Besonders schön war der Weg von der Notkirche bis zur neuen Kirche hergerichtet, buntbewickelte Stangen mir Fähnchen geschmückt, Tannenbäumchen, Laubwerk, Girlanden etc. bildeten ein außerordentlich effektvolles Ganzes.

Das Innere der neuen Kirche trug keinen Schmuck, während die Notkirche recht passend ausgeziert war. Als der Hochwürdigste Herr angekommen war und das Kreuz geküsst hatte, trugen drei weißgekleidete Mädchen: Hubertine Ilberts, Agnes Bauer und Sibille Braun, das folgende vom Pfarrer verfasste Gedicht vor:

 

(Ilbertz) Was spendet uns heute das herrliche Glück den Gottes Gesandten zu schaun?
Der heilige Glaube, er bringet das Glück uns nieder aus himmlischen Auen.
Der Glaube, er führet den Lehrer herbei und öffnet die Herzen dem Worte.
So steh´n wir vereint zur Glaubenstreu in ewiger Treu unserm Gotte.

 

(Bauer) Was spendet uns heute das herrliche Glück den Gottes gesandten zu schauen?
Die heilige Hoffnung, sich bringet das Glück uns nieder aus himmlischen Auen.
Die Hoffnung, die nimmer enttäuscht wird, die himmelwärts ringt von der Erde.
Es schöpft ja aus ihr die Freude der Hirt, aus ihr quillt der Jubel der Herde.

 

(Braun) Was spendet uns heute das herrliche Glück den Gottes gesandten zu schauen?
Die heilige Liebe, sie bringet das Glück Uns nieder aus himmlischen Auen.
Die göttliche Liebe, die alles vereint, die alles im Sieg  überwunden.
Die Liebe, sie drängt, der Vater erscheint den Kinder in Liebe verbunden.

 

(Alle drei) O Bote des Herrn, so sei und gegrüßt in Glaube, in Hoffnung, in Liebe.
Du bringst uns die Gnade, die alles versüßt, o, dass sie doch immer uns bliebe!
Doch, dass sie uns bliebe, drum bist du ja heut mit all deinem Segen gekommen.
Drum rufen wir all in heiliger Freud zum Gruß dir ein frohes Willkommen.

 

Alsdann sprach der Pfarrer kurz den Gruß an den Hochwürdigsten Herren, in welchem er hervorhob, dass heute zu ersten Male seit dem Bestehen der Pfarrei hierselbst das Sakrament der hl. Firmung ausgespendet werden solle, und auf die Konsekration der neuen Kirche hinweisend bemerkte er, dass wie unter dem Stab Moses die belebende und erquickende Quelle aus dem Felsen sprudelte, so unter der Berührung der salbenden und weihenden Hand des Bischofs eine Himmlische Quelle zur Belebung und Erquickung der Seelen aus den Steinen des neuen Gotteshauses hervorquellen werde.

Unter den Gebeten des Volkes und den Psalmen des von Lehrer Reinartz dirigierten Gesangchores bewegte sich nunmehr der Zug durch das festlich geschmückte Dorf zur Notkirche. Mit einer fünfstimmigen von Pfarrer Ludwigs komponierten Motette: Ecce sacerdos et pontifex etc. wurde hier der Hochwürdigste Herr empfangen, worauf die kirchlich vorgeschriebenen Zeremonien begannen.

Nach Erteilung des bischöflichen Segens spendete der Herr Weihbischof an 39 Firmlinge das hl. Sakrament der Firmung, worauf er sich abends gegen 20.00 Uhr in das Pfarrhaus begab.

 

Am nächsten Morgen von 07.00 Uhr begann die Feier der Konsekration der neuen Kirche, an welche sich das feierliche Pontifikalamt anschloss.

Außer dem Hochwürdigen Herrn Dr. Fischer seinem Paplan Dr. Vogt fungierten folgende Herren: Dechant Künster als Assistenz, Pfarrer Klein von Vettweiß als Diakon, Pfarrer Schulte von Gaster bei Bedburg als Subdiakon, Pfarrer Sauvage von Kelz und Pfarrer Hoch von Bourheim bei Jülich als Ehrendiakonen, Pfarrer Frank von Frauwüllesheim ad Mitram, Pfarrer Schwalbach von Soller ad Baculam. Außerdem waren anwesen Seminarpäsens Dr. Ludwigs und Subregenz dr. Pingsmann.

Während der Nacht standen die hl. Reliquien, welche in die Altäre eingesenkt werden sollten, in der Notkirche feierlich ausgesetzt, vor denselben wurde die ganze Nacht hindurch gebetet. In dem feierlichen Zuge der Übertragung der hl. Reliquien trugen die Herren Peter Hoch aus Bourheim und Frank aus Frauwüllesheim die prächtige Bahre, auf welcher die Reliquien in einem gläsernen mit seidenen Bändern zusammengefügten Schrein auf rotseidenen Kissen ruhten.

Die Reliquien selbst sind aus den Gebeinen der hl. Märtyrer Quirinus, welcher in Malmady ruht, sowie von Genossen des hl. Gereon und der hl. Ursula aus Köln. Gegen 14.00 Uhr begann das Festessen im Pfarrhaus. Während desselben erhob sich zunächst der Pfarrer, um seinen innigen Dank Ausdruck zu geben, dem Danke gegen Gott, der die Pfarrei gewürdigt hatte, ein neues Gotteshaus bauen zu dürfen, der es gnädig gefügt, dass die Gemeinde sich so reiche Opfer auferlegte - auf 30 Jahre hinaus gegen 200 % der Staatssteuern - ,dass in vollem Frieden und ungestörter Eintracht zwischen Pfarrer und Gemeinde der Bau vollendet worden sei, dass ein so vortrefflicher Baumeister das Werk mit all seinen inneren Einrichtungen ersonnen und geleistet habe.

 

Dann gab er dem Dank gegen den Hochwürdigen Herrn Bischof Ausdruck, der wie Ezechiel die Weisung empfangen: vaticinare de ossibus, istis! Zahlreiche Trinksprüche reihten sich aneinander. Gegen 16.00 Uhr fand eine kurze Katechese in der neuen Kirche statt, worauf der Bischof das Gebet "Pro defunctis parochiae" betete. Danach wurde ein Rundgang durch das festlich geschmückte Dorf unternommen und gegen 17.00 Uhr wurde der Hochwürdigste Herr Weihbischof unter dem Geleite der Ehrenreiter nach Soller verabschiedet.

 

Am folgenden Tage, Sonntag, dem 18. Juni, an welchem der Pfarrgottesdienst in der neuen Kirche begann, waren aus der ganzen Umgegend so viele Leute zur Besichtigung der Kirche gekommen, dass die Straßen vollständig mit Menschen gefüllt waren und ein Wagen nur mit Mühe hindurch konnte. Jeder wunderte sich über den reichen Schmuck des Dorfes, das mit 18 Triumphbogen geziert war.

 

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